Reihe: Revolution und Konterrevolution auf dem Tempelhofer Feld

19.April 2018 um 19 Uhr

Dr. Mark Jones:

Ein Schießbefehl und die Folgen

Das Tempelhofer Feld war auch Schauplatz der Novemberrevolution in Berlin. Arbeiter- und Soldatenrat, Bürgerinnen und Bürgerinnen, die noch von den alten Eliten als „Untertanen“ betrachtet wurden, trafen sich auf dem Feld für Versammlungen und Kundgebungen. Eine neue Ordnung sollte geschaffen werden, ohne Monarchie und Obrigkeitsstaat, die für die Katastrophe des Ersten Weltkrieges verantwortlich waren.

Doch die alten Eliten wollten ihre Macht nicht einfach abgeben. In die Auseinandersetzungen zwischen Revolutionären, den Konflikten zwischen Arbeiter- und Soldatenräten, im Rat der Volksbeauftragten, zwischen USPD und SPD wurde von Friedrich Ebert das Militär als Träger des militarisierten preußischen Kaiserreichs gerufen. Auch die Freikorps nutzten das Tempelhofer Feld als Aufmarschgebiet. Die Folgen des Rufs nach dem kaiserlichen Militär und der Schießbefehl werden im Vortrag beleuchtet.

Mark Jones, geboren 1981, ist Research Fellow an der Freien Universität Berlin und am University College Dublin. Er studierte an der University of Cambridge, am Trinity College Dublin und am European University Institute in Florenz, wo er in Geschichte promovierte. Sein Forschungsschwerpunkt ist der Zusammenhang zwischen Gewalt und politischer Kultur in Deutschland im 20. Jahrhundert.

 

DTK-Wasserturm Kreuzberg

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10965 Berlin

U- Bahn – Platz der Luftbrücke

Vorankündigung:

26.April 2018 um 19 Uhr

Archäologie, Erinnerung und Geschichte am Beispiel Tempelhofer Feld

Alte Zollgarage

Flughafen Tempelhof

Zeitwahrnehmung ist in vielen Gesellschaften als Historische Wissenschaft institutionalisiert. Deutungen obliegen dieser Wissenschaft. Gängige Methode dieser Wissenschaft bilden Dokumente, die in Quellenbeständen erfasst werden, sie werden durch Zeitzeugen ergänzt, die eingebunden in den Kontext kritisch reflektiert werden, so wie auch Dokumente im jeweiligen Kontext kritisch zu betrachten und zu bewerten sind. Zeitzeugen des größten Verbrechens der Menschehit, der Nationalsozialismus, versterben jedoch. Hatte bereits die Soziologie und die Psychologie als Wissenschaften positive Impulse in die Geschichtswissenschaft eingebracht, so soll das auch die Archäologie leisten. Besonders bruckstückhafte oder mangelhafte Überlieferung soll von dieser Disziplin ergänzt und erweitert werden. Eine materielle Kultur der „Dinge“ kann betrachtet und bewertet werden, die Archäologie als Wissenschaft kann Zeugnisse ausgraben und darstellen und so neue Fragestellungen und Perspektiven aufweisen. Mit Funden kann betrachtet, begriffen und eine neue Form der Erinnerungskultur gefunden werden. Wie das am Beispiel Tempelhofer Feld geschehen kann und wie die Politik mit dem Feld umgehen will, diskutieren wir am 26.April.