Presseerklärung

Tempelhofer Feld: Gedenken in den Mittelpunkt stellen
Berlin, den 27.03.2014

Am 25.Mai findet der Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes statt. Derzeit diskutieren Berlinerinnen und Berliner darüber, was auf dem großen Gelände verändert, bebaut oder unverändert bleiben soll.

Für viele Menschen war das Tempelhofer Feld in der Zeit des Nationalsozialismus kein Ort der Freiheit, sondern der Unfreiheit. Auf dem Gelände existierten ein SS-Gefängnis, das Konzentrationslager Columbia-Haus sowie Zwangsarbeiterbaracken. Menschen wurden zu Opfern von Willkür, Folter, Unterdrückung und Mord im SS-Gefängnis und im Konzentrationslager Columbia-Haus. Zigtausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die für die Rüstungsindustrie während der Zeit des Zweiten Weltkrieges arbeiteten, waren menschenverachtenden Bedingungen ausgesetzt.

Es bedarf dringend eines Gesamtkonzeptes für ein Gedenken auf dem Tempelhofer Feld und für dessen wissenschaftliche Aufarbeitung.

Ein Bündnis aus Unterstützerinnen und Unterstützern hat die „Tempelhofer Erklärung 2014“ initiiert, um entsprechende Forderungen zu untermauern und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Wir bedauern, dass die Koalition am Masterplan und damit an der Überformung der historischen Orte festhält“, so Beate Winzer, Vorstand des Fördervereins. „Eine Betafelung entspricht nicht dem Beschluss des Abgeordnetenhauses von 2011 nach einem Gedenkort.“ Anhand von Masterplan und der Karte des Fördervereins zeigte Beate Winzer die Standorte der bekannten Lager. Sie beschrieb die Bedeutung des Flughafens als innerstädtisches Zentrum der Flugzeugindustrie, deren Zentrum das Dreieck Halle, Berlin und Braunschweig darstellte. Wesentlich für den Flughafen sind die damals neuen Techniken Mobilität Flugzeug und Kommunikation- Radar/ Bordfunk/Flugfunk. Mit dem luftmedizinischen Forschungsinstitut war der Flughafen als Ort der Luftfahrtforschung untrennbar verbunden. Das Institut hatte neun Außenstellen, unter anderem in Dachau, wo die bekannten Versuche zur Höhe und zur Kälte durchgeführt wurden.

„Zu fragen ist in der Nachkriegsnutzung durch die US-Army beispielsweise, warum die US-Army, die den Flughafen wesentlich zur Nachrichtengewinnung nutzte, alle Spuren des Nationalsozialismus sichtbar tilgten und ausgerechnet im luftmedizinischen Forschungsinstitut das Hotel „Columbiahaus“ nach dem gleichnamigen SS-Gefängnis am Columbiadamm einrichtete“, so Beate Winzer weiter.

Die gesammelten Unterschriften sollen am 27.April, dem Tag der Befreiung des Flughafens, den Senatsverwaltungen für Kultur und Stadtentwicklung übergeben werden.